Wie wurde Europa zum Mittelpunkt der Welt?

Offene Ideen mit Fabrice Argounès

19 Min.

Verfügbar ab dem 30/01/2026

Warum zeigen Weltkarten Europa und Afrika in der Mitte, den Norden oben? Der französische Geohistoriker Fabrice Argounès erklärt im Gespräch mit Youness Bousenna, wie Europa nicht nur durch Schiffe und Heere, sondern auch durch Landkarten und die Definition des Nullmeridians zum Zentrum der Welt wurde - eine Geschichte von Macht und Kolonialismus.

Von der Antike bis ins 19. Jahrhundert nutzten Königreiche und andere Mächte Karten, um sich ins Zentrum zu rücken: Babylon auf mesopotamischen Tontafeln, Peking unter Kaiser Kangxi. Doch erst die Cantino-Weltkarte von 1502 machte Europa zum Maßstab – der Atlantik rückte in die Mitte, ein Blick, der bis heute Schulatlanten und Smartphones prägt.

Warum aber setzte sich Greenwich durch? Im 19. Jahrhundert brauchte die globalisierte Welt einen einheitlichen Nullmeridian. Bisher hatte jede Großmacht ihren eigenen – Paris, London, Berlin. 1884 erklärte die Internationale Meridian-Konferenz Greenwich zum Standard, ein Symbol britischer Vorherrschaft.

Mit den Zeitzonen wurde Greenwich auch zur Grundlage unserer Zeitrechnung. Die neue „Raumzeit“ ermöglichte globale Vernetzung – doch sie diente auch der Kolonisation. Einheimische Namen verschwanden, koloniale Begriffe wie „Neukaledonien“ rechtfertigten Herrschaft.

Heute basiert unsere digitale Welt auf diesem System: GPS, Google Maps, Flugrouten. Die Geschichte der Meridiane zeigt: Karten bilden nicht nur ab – sie formen unsere Wahrnehmung. Fabrice Argounès fordert uns auf, diesen Blick zu hinterfragen: Was zeigen Karten – und was blenden sie aus? Eine Einladung, die Welt neu zu denken.

Regie

  • Younes Boussema

  • Laura Raim

Land

Frankreich

Jahr

2025

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