Kolumbien: Kinder als Auftragsmörder

ARTE Reportage

25 Min.

Verfügbar bis zum 09/01/2029

Sendung vom 12/03/2026

Auf einem Platz in Bogotá am 7. Juni 2025, kurz vor 16 Uhr, streift ein schmächtiger Junge durch die Menschenmenge vor Miguel Uribe Turbay, einen kolumbianischen Senator und Präsidentschaftskandidaten.  Er drängelt sich nahe an den Redner heran, hebt eine Waffe, drückt mehrmals ab und trifft tödlich – der Killer ist erst 14 Jahre alt.

Dieser politische Mord durch Kinderhand erschütterte ganz Kolumbien. Den Ermittlern zufolge war der Teenager von einem mysteriösen "Netzwerk von Auftragskillern" angeheuert worden. Er kannte nicht einmal seine Auftraggeber. Viele erinnerte dieser Mord an die dunkelsten Jahren Kolumbiens, als der Drogenbaron Pablo Escobar Handlanger ausschickte, um Straßenkinder in Medellín oder Cali für seine Verbrechen zu rekrutieren. Und nun sind die Kinder-Killer wieder da: Im Jahr 2024 standen in Kolumbien über 200 Minderjährige wegen Mordes vor Gericht, allerdings ist das wohl nur die Spitze des Eisbergs, denn die meisten jungen Auftragsmörder töten, ohne von der Polizei erwischt zu werden.
Die Jugendlichen der Oasis-Bande leben in Moravia, einem der ärmsten Barrios, errichtet auf einer ehemaligen Müllhalde der Vororte von Medellín. Sie verbringen ihre Zeit damit, 2CB zu verkaufen, die neue angesagte synthetische Droge. Sie stehlen Taschen, rauben Autos aus und kämpfen mit bloßen Händen, Macheten oder Messern. Gelegentlich nehmen sie Aufträge an, um mit säumigen Zahlern abzurechnen. Auch Mädchen bleiben von diesem Phänomen nicht verschont. Angelica, gerade 19 Jahre alt, liebt es, sich zu schminken, Schmuck anzulegen und vor dem Spiegel zu stehen. Sie hat gerade drei Jahre wegen Beihilfe zum Mord in einer Jugendstrafanstalt verbracht. Kaum war sie entlassen, tötete sie den Mörder ihres Bruders mit einem Messer. Drogen und Mord waren schon immer Teil ihres Lebens.
Die zunehmende Gewaltbereitschaft der kolumbianischen Jugend steht in direktem Zusammenhang mit dem Kokainhandel. Seit mehreren Jahren explodiert die Produktion des weißen Pulvers im Land, sie befeuert die internationale Nachfrage. Laut einem von der Regierung in Auftrag gegebenen Bericht rekrutieren die Drogenbanden täglich drei Minderjährige. Die Jüngsten sind leichter zu manipulieren und sie können zu nicht zu mehr als acht Jahren Haft verurteilt werden.

Regie

Thomas Dandois

Autor:in

Thomas Dandois

Schnitt

Alexandra Kogan

Produktion

Memento

Land

Frankreich

Jahr

2026

Auch interessant für Sie

Die meistgesehenen Videos von ARTE

NotInitialized