Souverän, verführerisch und unberechenbar: Asmik Grigorian spielt die Titelrolle in Carmen als vielschichtige und starke Frau. Diese Interpretation legt aber auch die Risse unter der ikonischen Oberfläche frei und lässt Carmens Freiheitspathos ebenso hörbar werden wie ihre Verwundbarkeit.
Carmen zählt zu den populärsten Opern. Sie wird von Georges Bizet komponiert und 1875 in der Opéra-Comique in Paris uraufgeführt. Schauplatz der Handlung ist Sevilla. Das Libretto verfassen Henri Meilhac und Ludovic Halévy nach der gleichnamigen Novelle von Prosper Mérimée. Seit mehr als 150 Jahren steht Carmen als Symbol radikaler weiblicher Selbstbestimmung.
Dem bürgerlich-patriarchalen Besitzanspruch auf Frauen abtrünnig, beansprucht Carmen in der Habanera und Seguidilla das Recht auf freie Partnerwahl. Ihre Unabhängigkeit und sexuelle Autonomie provozieren, und sie wird zur Projektionsfigur als Gegenentwurf zu Konvention und Zwang.
Die Inszenierung der Regisseurin und Choreographin Gabriela Carrizo rückt Carmen und Don José, gesungen von Jonathan Tetelman, gleichermaßen ins Zentrum. Mit ihrer Tanztheater-Compagnie Peeping Tom zoomt sie mit der typischen intensiven Körperlichkeit und der präzisen Bildsprache tief in die Psyche und das Unbewusste der Figuren. Sie zeigt familiäre Prägungen, gesellschaftliche Zwänge und die Dynamik eines toxischen Begehrens. So entsteht gemeinsam mit dem Utopia Orchestra unter der Leitung von Teodor Currentzis eine neue Carmen bei den Salzburger Festspielen 2026 – eine verstörend aktuelle Geschichte von Femizid.
Aufzeichnung vom 8. August 2026 bei den Salzburger Festspielen, Salzburg.